Anfang April 2026 hat das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic die Cybersicherheitsinitiative „Project Glasswing“ gestartet. Im Rahmen der Initiative stellt Anthropic das öffentlich noch nicht freigegebene KI-Modell Claude Mythos Preview ausgewählten Technologiepartnern und Organisationen zur Verfügung, um mit dessen Hilfe kritische Sicherheitslücken in weltweit eingesetzter Software frühzeitig aufzuspüren und zu beheben. Zu den Teilnehmern gehören auch führende Hersteller von Netzwerktechnologie, die so den Softwarecode in ihrem Produktportfolio noch sicherer machen.

Als langjähriger Partner führender Netzwerkhersteller verfolgen wir mit großem Interesse die Sicherheitsupdates, die im Zuge der Initiative veröffentlicht werden. Im Gespräch erklärt unser Geschäftsführer Christian Postel, was Project Glasswing für unsere Kunden bedeutet.

Geschäftsführer Christian Postel – © Ricarda Hager

Christian, welche Bedeutung hat Project Glasswing aus Deiner Sicht?

Christian: Ganz generell steht für mich völlig außer Frage, dass Unternehmen heutzutage KI einsetzen müssen, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade im Kontext der Netzwerktechnologien bietet der Einsatz von KI unzählige Chancen, und es ist faszinierend, was in diesem Umfeld heute bereits möglich ist. Nichtsdestotrotz darf KI nicht unkritisch eingesetzt werden. Viele KI-Technologien sind uns Menschen schon jetzt überlegen, und die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, wie schnell sie missbräuchlich eingesetzt werden können. Umso wichtiger ist eine Cybersicherheitsinitiative wie Project Glasswing. Denn dank des regulierten Zugangs zu Claude Mythos Preview stehen den beteiligten Technologieunternehmen völlig neue Möglichkeiten offen, um ihre Software deutlich widerstandsfähiger zu machen.

Worin genau besteht der Vorteil, wenn bestehende Software mit einem KI-Modell wie Claude Mythos Preview getestet wird?

Christian: Wenn wir auf die vergangenen 20 Jahre schauen, gehören Bug Fixes seit jeher zum Alltag jeder Software. Keine Software lässt sich so programmieren, dass alle potenziellen Schwachstellen schon im Vorhinein vorausgesehen werden können. Das heißt, es braucht nun einmal regelmäßige Software-Updates, um diese zu minimieren. Durch den Einsatz von KI hat das Software-Testing nun einen riesigen Schub erfahren. Denn ein KI-Modell wie Claude Mythos Preview ermöglicht es, eine Software auf wesentlich mehr Schwachstellen hin zu testen, als es bislang möglich war. Insofern ist Project Glasswing aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung. Dieses Potenzial müssen wir dringend nutzen.

Auch Hersteller von Netzwerktechnologie sind Teil von Project Glasswing. Was bedeutet das für die Kunden der HCD Consulting?

Christian: Richtig, mehrere Netzwerkhersteller haben sich im Rahmen der Initiative sehr früh dazu entschieden, gemeinsam mit Anthropic Schwachstellen in ihren Betriebssystemen zu finden. Konkret haben sie ihre Netzwerkbetriebssysteme mit Hilfe von Claude Mythos Preview umfassend getestet. Dabei sind sie auf Schwachstellen aufmerksam geworden, die in dieser Geschwindigkeit sonst nicht hätten entdeckt werden können. Das betrifft unmittelbar die Router, Switches und Firewalls, die bei unseren Kunden im Einsatz sind.

Heißt das, dass viel weltweit eingesetzte Software per se unsicher ist?

Christian: Nein. Es liegt in der Natur der Sache, dass Software immer gewisse Schwachstellen hat. Bisher konnten die Hersteller darauf auch immer angemessen mit neuen Updates reagieren. Im KI-Zeitalter gelten jedoch neue Maßstäbe, denn leider können auch Cyberkriminelle KI missbräuchlich nutzen, um Schwachstellen in Software auszunutzen. Dank Project Glasswing sind die beteiligten Hersteller einen Schritt voraus und haben deutlich schneller als bislang Fehler in ihrer Software identifiziert. Die ersten Sicherheitsupdates sind bereits veröffentlicht, und mit ihnen können auch unsere Kunden ihre Systeme jetzt aktualisieren und bekannte Schwachstellen schließen. Weitere werden folgen.

Welche Maßnahmen sollten Kunden von HCD Consulting jetzt ergreifen?

Christian: Meine unspektakuläre Empfehlung an alle Anwender lautet: Handeln. Wissen, welche Systeme und Software-Stände im eigenen Netz laufen, und Updates zeitnah und priorisiert einplanen, notfalls auch außerhalb der regulären Wartungsfenster. Die Updates stellen die Hersteller über ihre Supportkanäle bereit. Denn das wird kein Einzelfall bleiben: KI-gestützte Analysen werden bei vielen Herstellern zu deutlich mehr Sicherheitsupdates führen. Und unabhängig davon gilt für jedes Unternehmen: Eine Firewall allein reicht nicht mehr. Es braucht eine Zero-Trust-Strategie. Updates einspielen ist wie Helm aufsetzen. Unspektakulär, aber man ist froh, wenn man es getan hat. Wenn ein Kunde unsicher ist, ob und in welchem Umfang die Updates für ihn relevant sind, unterstützen wir natürlich gerne bei der Bewertung und Umsetzung. Unser Service-Team ist dafür jederzeit ansprechbar.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an unser Service-Team.

Und was rätst Du Unternehmen darüber hinaus, um ihre Cybersicherheit zu stärken?

Christian: Ihnen empfehle ich ganz klar, zusätzliche Security-Mechanismen wie etwa Zero Trust einzuführen. Ein Unternehmen muss ohnehin dafür sorgen, dass das Netzwerk grundsätzlich vor unerlaubtem Zugriff von außen geschützt ist. Das ist mit einer einfachen Firewall nicht getan. Stattdessen braucht es eine Zero-Trust-Strategie: Jeder, der ins Netz will, muss sich authentifizieren, und zwar ausnahmslos. Natürlich gibt es auch damit keine hundertprozentige Sicherheit. Die wird es nie geben. Aber das Risiko eines fremden Zugriffs lässt sich drastisch reduzieren. Genau das ist das Ziel.