Die Ankündigung der WiFi-Alliance Ende April 2020 einen neuen Standard mit dem Namen WiFi 6E zu zertifizieren, rief einige Verwunderung hervor, da der WiFi 6 Standard erst vor kurzem begann größere Verbreitung zu finden. Ebenso irritiert die neue Benennung mit dem Zusatz E, wurde doch erst 2018 zu Gunsten der Klarheit entschieden, statt der für Laien kryptischen IEEE Standard-Bezeichnungen die WiFi Generationen zukünftig zu nummerieren. Tatsächlich handelt es sich bei WiFi 6E nicht um einen neuen Standard, sondern um eine Erweiterung des nutzbaren Frequenzbereichs in das 6 GHz Spektrum.

FCC gibt 6 GHz Frequenzbereiche für die WiFi Nutzung frei

Am 23. April hat die amerikanische Federal Communications Commission (FCC) entschieden, dass 1200 MHz unlizenzierter Frequenzspektren im 6 GHz Bereich für WiFi zur Verfügung gestellt werden. In Reaktion darauf hat die WiFi-Alliance entschieden, den WiFi 6 Standard auszuweiten und unter der Bezeichnung WiFi 6E zu zertifizieren. Dabei wird der lediglich der Frequenzbereich von 2,5 GHz und 5 GHz auf zusätzlich 6 GHz erweitert. Daher wird auch WiFi 6E die IEEE Standard-Bezeichnung 802.11ax beibehalten.

Konkret geht es um den Frequenzbereich zwischen 5,925 GHz und 7,125 GHz für den indoor Bereich, dessen Freigabe es ermöglicht, vierzehn zusätzliche 80 MHz Kanäle oder sieben 160 MHz Kanäle zur Verfügung zu stellen. Dies erlaubt es, Netzwerkstörungen aufgrund von Frequenzüberlagerungen, besonders in Umgebungen mit vielen Netzen und Nutzern zu minimieren. Diese Maßnahme erhöht den möglichen Datendurchsatz bei einer gleichzeitigen Verringerung der Latenzzeiten. Es ist zusätzlich zu erwarten, dass durch die Erweiterung in den 6 GHz Bereich die Datenraten im Kontrast zum 5 GHz Netz weiter gesteigert werden können.

Bisher ungeklärt ist, ob mit dem höheren Frequenzbereich auch eine Abnahme der Reichweite zu beobachten sein wird. Umso höher der Frequenzbereich, um so schwieriger ist es für das Signal Hindernisse wie Wände zu überwinden, zeitgleich steigt jedoch die Datenrate. Der Unterschied von 6 GHz zum bisherigen 5 GHz Netzwerk wird jedoch weniger stark ausfallen, als der Gegensatz zu 2,5 GHz. Möglich ist auch, dass die Hersteller den Effekt durch eine geringfügig höhere Sendeleistung ausgleichen. Dies wird sich zeigen, wenn die ersten Geräte präsentiert werden.

Erste Geräte, die den erweiterten Frequenzbereich nutzen können, werden frühestens Ende 2020 oder Anfang 2021 erwartet. Auch wird erwartet, dass zunächst nur Premium Endgeräte mit den neuen Chips ausgestattet werden.

Freigabe in Deutschland unklar

Die Freigabe des amerikanischen FCC bedeutet allerdings nicht, dass der Standard auch in Deutschland nutzbar ist. Hierzu müsste die Bundesnetzagentur ebenfalls eine Freigabe des Spektrums genehmigen. Dies ist in Abstimmung mit der Europäischen Konferenz der Verwaltung für Post und Telekommunikation (CEPT) bereits in Planung, jedoch wurde bisher kein Datum genannt, zu welchem eine Entscheidung zu erwarten ist.

Derzeit werden Teile des Frequenzbereichs für Richt- und Satellitenfunk sowie militärische Zwecke genutzt. Eine Freigabe ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Aber auch bei den bisher für WLAN genutzten 2,5 GHz und 5 GHz Frequenzbereichen sind unterschiedliche Bereiche in den einzelnen Ländern freigeben. Die Teilbelegung des 6 GHz Frequenzbereichs ist daher kein unüberwindbares Hindernis, allerdings ist es möglich, dass nur ein Teil des 6 GHz Spektrums für WiFi freigegeben wird.

Vorteile des WiFi 6 Standards

Abgesehen von dem erweiterten Frequenzbereich ist der WiFi 6E Standard mit WiFi 6 identisch. Dies ist auch der Grund, warum auf die Bezeichnung WiFi 6E gesetzt wurde, anstatt eine neue Generation anzukündigen. WiFi 6 bietet dabei zahlreiche Vorteile, welche die Bereitstellung von hohen Datenraten, niedrigen Latenzen und große Nutzerzahlen im Fokus haben. Dazu gehören:

  • OFDMA (Orthogonal Frequency Division Multiple Access) – Nutzer werden Subchanneln zugewiesen, die den parallelen Versand von Daten an multiple Nutzer erlauben. Dies erhöht die Netzwerkeffizienz und senkt die Latenz, da die Wartezeiten für einzelne Datenpakete reduziert wird.
  • 1024-QAM (Quadrature Amplitude Modulation) – Durch die veränderte Amplituden Modulation lassen sich höhere Datenraten im Vergleich zu früheren WiFi Versionen erreichen.
  • MU-MIMO (Multi-User Multiple Input Multiple Output) – bietet mehr Downlink Traffic und erlaubt es Access Points mehr Daten zeitgleich an mehrere Geräte zu verteilen.
  • BSS (Base Service Station)-Coloring – Ermöglich die Zuordnung von Frames in geteilten Frequenzbereichen, Datenstaus werden hierdurch abgebaut.
  • TWT (Target Wake Time) – das besonders für IoT Geräte interessante Feature erhöht die Batterielebensdauer, da individuelle Wake Schedules zwischen Geräten und Access Points ausgehandelt werden können.

Durch die Erweiterung der nutzbaren Frequenzen in den 6 GHz Bereich wird das Ziel, möglichst hohe Datenraten für möglichst viele Nutzer zur Verfügung zu stellen, weiter unterstützt. Insgesamt verspricht der neue Standard einen enormen Performanceschub für Virtual und Augmented Reality Anwendungen, Videotelefonie sowie weitere Anwendungen, für die hohe Datenraten und niedrige Latenzen essenziell sind. Aber auch Wireless Netzwerke mit vielen Nutzern oder einer hohen Dichte von konkurrierenden Netzen profitiert vom WiFi 6 Standard.

Zertifizierte WiFi 6 Access Points erhalten Sie von Cisco, Meraki und Mist. Wir beraten Sie gerne, ob Sie von einem Umstieg auf WiFi 6 profitieren und welche Access Points Ihren Anforderungen am besten entsprechen.

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Ich bin Sebastian Wiedemann aus dem HCD Vertriebsteam. Ich berate Sie gerne oder helfe Ihnen bei Fragen weiter. Sie erreichen mich telefonisch unter +49 89 215 36 92-0 oder per Kontaktformular.

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